Brief aus ...
Brief aus ... Lieber Sohn , ich schreibe dir , damit du weißt , dass ich noch lebe . Ich schreibe langsam , weil ich weiß , dass du nicht schnell lesen kannst . Wenn du wieder einmal nach Hause kommst , wirst du unsere Wohnung nicht mehr erkennen . Wir sind nämlich umgezogen . Sogar eine Waschmaschine war schon in der neuen Wohnung . Ich habe ein Dutzend Hemden hineingegeben und an der Kette gezogen. Die Hemden habe ich allerdings nicht wiedergesehen. Vater hat die Stelle gewechselt. Er hat jetzt 500 Leute unter sich . Er mäht den Friedhofsrasen. Letzte Woche ist Onkel Otto in einem Whisky-Fass ertrunken . Einige Männer wollten ihn retten , doch er leistete heftigen Widerstand . Wir haben ihn verbrennen lassen . Es hat drei Tage gedauert bis wir ihn gelöscht hatten. Deine Schwester hat gestern ein Baby bekommen . Da wir nicht wissen , ob es ein Junge oder ein Mädchen ist , kann ich dir nicht schreiben , ob du jetzt Onkel oder Tante geworden bist . Letzte Woche hat es nur siebenmal geregnet, zuerst drei Tage , dann vier . Es hat so gedonnert, dass unser Huhn viermal das selbe Ei gelegt hat . Ich schicke dir auch noch die Weste , die du sicher vermissen wirst. Die Knöpfe habe ich abgetrennt, um das Gewicht und das Porto zu vermindern . Sie stecken in der oberen Tasche rechts . Am Dienstag sind wir alle gegen Erdbeben geimpft worden. In Liebe . Deine Mutter . P. S.: Ich wollte dir noch Geld mitschicken, aber ich hatte den Brief schon zugeklebt.